Nach einem heftigen Gewitter steht Wasser im Keller, aber es ist nicht durch die Wand gekommen: Es ist aus dem Bodenablauf, der Waschmaschinenentwässerung oder dem Keller-WC hochgedrückt worden. Das ist Rückstau. Er gehört zu den Schadensbildern, die sich mit vergleichsweise wenig Aufwand vermeiden lassen, wenn man das Prinzip einmal verstanden hat.
Wie Rückstau entsteht
Ihr Haus ist über die Grundleitung an den öffentlichen Kanal angeschlossen. Im Normalfall fließt das Abwasser mit Gefälle dorthin ab. Bei Starkregen kann der Kanal die Wassermassen jedoch nicht mehr abführen. Der Wasserspiegel im Kanal steigt, und zwar bis auf das Niveau, aus dem er gespeist wird: die Straßenoberfläche. Dieses Niveau nennt man Rückstauebene. In der Regel legt die Gemeinde sie in ihrer Entwässerungssatzung fest, meist ist es die Oberkante der Straße am Anschlusspunkt.
Alles, was im Haus unterhalb dieser Ebene entwässert, also typischerweise Bodenabläufe, Waschbecken, Duschen und Toiletten im Keller, ist dann nicht mehr vom Kanal getrennt. Das Wasser aus dem Kanal drückt durch die Grundleitung zurück und tritt an der tief liegenden Ablaufstelle aus, meist am Kellerbodenablauf.
Rückstau kann auch ohne Regen entstehen: etwa durch eine Verstopfung im öffentlichen Kanal, durch Arbeiten des Kanalbetreibers oder durch eine Verstopfung in der eigenen Grundleitung, die eine Rohrreinigung erfordert.
Woran Sie Rückstau erkennen
- Wasser tritt aus dem Bodenablauf oder dem Keller-WC aus, obwohl im Keller selbst kein Wasser verbraucht wurde.
- Das Wasser riecht nach Kanal und ist verschmutzt.
- Der Pegel steigt bei Regen und sinkt wieder, wenn es aufhört.
- Gluckern aus den Kellerabflüssen bei starkem Regen, auch wenn noch kein Wasser austritt. Das ist eine Vorwarnung.
Kommt das Wasser dagegen durch Wände oder Bodenfugen und ist klar, handelt es sich meist um drückendes Grundwasser oder eine undichte Abdichtung, nicht um Rückstau.
Die Rückstauklappe: Wie sie funktioniert
Eine Rückstauklappe, fachlich Rückstauverschluss, wird in die Leitung eingebaut, die die tiefliegenden Ablaufstellen entwässert. Sie lässt Abwasser in Richtung Kanal passieren und schließt, sobald Wasser in die Gegenrichtung drückt. Einfache Modelle arbeiten rein mechanisch mit einer oder zwei Pendelklappen, die vom zurückdrückenden Wasser zugedrückt werden. Höherwertige Ausführungen haben einen zusätzlichen Notverschluss, der sich von Hand verriegeln lässt, oder einen motorischen Antrieb, der die Klappe bei Rückstau aktiv schließt.
Wichtig zu wissen: Eine Rückstauklappe kann nur Leitungen schützen, die durch sie hindurchführen. Werden Abläufe aus den Obergeschossen über dieselbe Leitung geführt, läuft deren Abwasser bei geschlossener Klappe ebenfalls nicht mehr ab und sucht sich im Keller den Weg nach draußen. Deshalb gilt in der Regel: Nur die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene über die Klappe führen, alles darüber direkt in den Kanal.
Wo Rückstauklappen an ihre Grenzen stoßen
Für fäkalienhaltiges Abwasser, also Toiletten im Keller, oder wenn der Keller als Wohnraum genutzt wird, sind einfache Rückstauklappen in der Regel nicht die richtige Lösung. Dort sieht die Technik eine Hebeanlage vor: Das Abwasser wird in einem Behälter gesammelt und über eine Druckleitung, die oberhalb der Rückstauebene eine Schleife bildet, in den Kanal gepumpt. So kann Wasser aus dem Kanal nicht zurück, und der Keller bleibt auch dann nutzbar, wenn eine Klappe geschlossen wäre.
Wartung: Der unterschätzte Punkt
Eine Rückstauklappe, die lange niemand geöffnet hat, ist im Ernstfall oft wirkungslos. Ablagerungen, Haare, Fett und kleine Fremdkörper setzen sich am Klappenteller fest und verhindern, dass er dicht schließt. Deshalb sollte die Klappe regelmäßig geöffnet, gereinigt und auf Funktion geprüft werden. Viele Hersteller empfehlen das halbjährlich; in der Praxis ist eine Kontrolle vor der Gewitterzeit ein guter Rhythmus. Die Dichtungen sollten dabei auf Risse und Verformung kontrolliert werden.
Wenn Sie nicht wissen, ob und wo in Ihrem Haus eine Rückstauklappe verbaut ist, hilft ein Blick in den Bodenablauf im Keller: Oft ist sie dort direkt integriert und unter dem Rost erkennbar. Andernfalls sitzt sie in einem Revisionsschacht oder an einer Revisionsöffnung der Grundleitung.
Wann Sie anrufen sollten
Rufen Sie an, wenn Wasser aus dem Bodenablauf oder dem Keller-WC austritt, wenn Ihre Kellerabflüsse bei Regen gluckern oder wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Haus überhaupt gegen Rückstau gesichert ist. Auch nach einem Rückstauereignis sollte die Grundleitung geprüft und gespült werden, denn mit dem Kanalwasser kommen Sand und Schlamm ins Rohr. Wir sind Tag und Nacht telefonisch erreichbar, auch am Wochenende, und beraten Sie kostenlos am Telefon. Die Anfahrt kostet 39 € pauschal, den verbindlichen Gesamtpreis erhalten Sie nach der Prüfung vor Ort und vor Arbeitsbeginn.
Schutz vor Starkregen: Was Sie tun können
- Bestand prüfen lassen. Welche Ablaufstellen liegen unterhalb der Rückstauebene, wie sind sie angeschlossen, gibt es eine Sicherung? Eine Kamerauntersuchung der Grundleitung zeigt zugleich, ob Wurzeln, Ablagerungen oder Schäden den Abfluss bremsen.
- Rückstausicherung nachrüsten oder erneuern. Je nach Nutzung des Kellers Rückstauklappe oder Hebeanlage.
- Grundleitung sauber halten. Eine Kanalreinigung mit Hochdruckspülung entfernt Fett, Sand und Ablagerungen, damit das Wasser im Ernstfall schnell abfließt.
- Keller vorbereiten. Lagern Sie empfindliche Dinge nicht direkt auf dem Boden, sondern auf Regalen. Halten Sie den Bodenablauf frei zugänglich.
- Wartung einplanen. Klappe öffnen, reinigen, prüfen. Das dauert nicht lange und ist der Unterschied zwischen einem trockenen Keller und einem Sanierungsfall.
Versicherung und Pflichten
Schäden durch Rückstau sind in der Regel nicht in der normalen Wohngebäude- oder Hausratversicherung enthalten, sondern Teil der erweiterten Naturgefahren- oder Elementarschadenversicherung. Viele Versicherer setzen dabei voraus, dass eine funktionsfähige Rückstausicherung vorhanden und gewartet ist. Prüfen Sie Ihren Vertrag genau, insbesondere die Bedingungen zum Rückstau. Auch kommunale Entwässerungssatzungen schreiben in der Regel vor, dass Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene gegen Rückstau zu sichern sind; die Verantwortung dafür liegt beim Grundstückseigentümer. Eine dokumentierte Wartung ist hier Ihre Absicherung.
Kurz gefragt
Brauche ich eine Rückstauklappe, wenn im Keller nur ein Bodenablauf ist?
In der Regel ja. Der Bodenablauf liegt meist tiefer als alle anderen Ablaufstellen und ist damit die Stelle, an der Rückstau zuerst austritt. Viele Kellerabläufe lassen sich mit einem Einsatz nachrüsten, der eine Rückstauklappe direkt im Ablaufkörper enthält. Entscheidend ist, dass nur die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene über die Klappe geführt werden und dass sie regelmäßig gewartet wird.
Was ist der Unterschied zwischen Rückstauklappe und Hebeanlage?
Die Rückstauklappe ist ein passives Bauteil: Sie schließt, wenn Wasser zurückdrückt, und solange sie geschlossen ist, kann im Keller nichts ablaufen. Die Hebeanlage pumpt das Abwasser aktiv über eine Rückstauschleife oberhalb der Rückstauebene in den Kanal. Sie ist aufwendiger, ermöglicht aber die Nutzung von Keller-WC und Waschmaschine auch während eines Rückstaus und ist für fäkalienhaltiges Abwasser in der Regel vorgesehen.
Zahlt meine Versicherung einen Rückstauschaden?
Das hängt vom Vertrag ab. Rückstau ist in der Regel nur über eine Elementarschadenversicherung abgedeckt, nicht über die Standard-Wohngebäude- oder Hausratpolice. Häufig ist zudem eine funktionsfähige und gewartete Rückstausicherung Voraussetzung für die Leistung. Prüfen Sie Ihren Vertrag und bewahren Sie Nachweise über Einbau und Wartung auf. Im Zweifel fragen Sie Ihren Versicherer schriftlich nach den konkreten Bedingungen.